Schnittstelle (EDV): was in der Datenverarbeitung darunter fällt
Gemeint ist der festgelegte Übergabepunkt zwischen zwei Programmen — eine Vereinbarung darüber, welche Daten in welcher Form und aus welchem Anlass die Seite wechseln.
Aktualisiert am
Eine Schnittstelle (EDV) ist der festgelegte Punkt, an dem zwei Programme Daten übergeben: mit vereinbartem Format, vereinbarter Richtung und vereinbartem Verhalten im Fehlerfall. Der Zusatz EDV steht für elektronische Datenverarbeitung und grenzt den Begriff gegen die Bedienoberfläche ab, mit der ein Mensch arbeitet.
Schnittstelle (EDV): Definition in der Datenverarbeitung
Das Wort trägt im Deutschen mehrere Bedeutungen — vom Steckverbinder bis zur organisatorischen Übergabe zwischen zwei Abteilungen. Der Zusatz engt es auf den Datenverkehr zwischen Programmen ein. Gemeint ist dabei nie ein Programm, sondern eine Festlegung: Welche Daten wechseln die Seite, in welcher Struktur, ausgelöst wodurch, und woran erkennt die abgebende Seite, dass die Übergabe geglückt ist.
Daraus folgt eine Eigenschaft, die in Projekten regelmäßig unterschätzt wird: Eine solche Festlegung hat zwei Eigentümer. Ändert eine Seite sie einseitig, bricht die andere — auch dann, wenn technisch alles funktioniert.
Programmschnittstelle und Benutzeroberfläche
Die Benutzeroberfläche richtet sich an Menschen: Masken, Knöpfe, Listen. Die Programmschnittstelle richtet sich an Software und ist deshalb strenger — sie kennt keine Zwischentöne, keine Nachfrage und keine Gewöhnung. Ein drittes Wort gehört dazwischen: das Datenformat. Eine Exportdatei nach festem Aufbau ist bereits eine Übergabe, auch wenn kein Programm ein anderes aufruft.
Praktisch wichtig wird die Abgrenzung, wenn ein Anbieter keinen programmseitigen Zugang bereitstellt. Dann wird gelegentlich die Bedienoberfläche ferngesteuert. Das ist ein Behelf: Er bricht bei jeder Umgestaltung des Bildschirms, liefert keine verlässlichen Fehlermeldungen und lässt sich nur mühsam prüfen. Vertretbar bleibt er als Übergang, solange klar ist, dass er ersetzt wird, sobald der Hersteller einen richtigen Zugang bereitstellt.
Arten: Datei, Datenbank, REST und EDI
- Dateiübergabe. Eine Seite legt CSV, XML oder ein festes Satzformat an einem vereinbarten Ort ab, die andere holt es. Braucht Namensschema, Zeitfenster und eine Quittung, sonst bleibt offen, ob eine Lieferung verarbeitet wurde.
- Datenbankzugriff. Ein System liest direkt in den Tabellen des anderen. Schnell umgesetzt, aber ohne die Prüfregeln der Anwendung — und jede Änderung am Datenmodell der Gegenseite bricht die Verbindung ohne Vorwarnung.
- Programmierschnittstelle über HTTPS. Der heutige Regelfall in Unternehmenssoftware; Aufbau und Regeln behandelt der Artikel REST-Schnittstelle.
- Genormte Branchennachrichten. Im Handel und in der Logistik laufen Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen als feste Nachricht zwischen Partnern; die Regeln dafür stehen im Artikel EDI-Schnittstelle.
Welche Art gewählt wird, bestimmt in der Praxis das schwächere der beiden Systeme. Welche technischen Muster hinter einer Anbindung stehen, behandelt der Artikel API-Schnittstelle.
Was in einer Schnittstellenbeschreibung steht
Eine belastbare Beschreibung passt auf wenige Seiten und beantwortet neun Punkte:
- Richtung. Wer gibt ab, wer nimmt an, gibt es einen Rückkanal.
- Auslöser. Zeitplan, Ereignis oder Abruf auf Anforderung.
- Umfang. Welche Objekte, welche Felder, welche Pflichtangaben.
- Format und Zeichensatz. Aufbau, Datums- und Zahlenschreibweise, Kodierung.
- Kennung. Woran beide Seiten denselben Vorgang wiedererkennen.
- Fehlerverhalten. Was bei Ablehnung geschieht, wie oft wiederholt wird, wohin endgültig gescheiterte Vorgänge gehen.
- Rechte und Zugang. Welches Konto, welcher Umfang, wie Zugangsdaten gewechselt werden.
- Mengen. Erwartete Sätze je Lauf und zulässige Abrufhäufigkeit.
- Version und Ansprechpartner. Stand des Dokuments und je eine benannte Person auf beiden Seiten.
Schnittstelle (EDV) als Vereinbarung zweier Seiten
Weil zwei Parteien beteiligt sind, ist diese Beschreibung Vertragsstoff und keine Dokumentation im Nachgang. Sie gehört in die Leistungsbeschreibung, bevor jemand mit dem Bau beginnt — samt der Frage, wer die Testumgebung der Gegenseite stellt und wer Änderungen ankündigt.
Für Änderungen hat sich Versionierung durchgesetzt: Die alte Fassung bleibt eine Weile erreichbar, die neue läuft daneben an, und der Wechsel geschieht angekündigt statt über Nacht. Ohne diese Regel ist jede Aktualisierung der Gegenseite ein Störfall — und der fällt regelmäßig zuerst dem Endkunden auf und nicht der eigenen Mannschaft. Wer die Beschreibung führt, hält deshalb auch fest, welche Fassung gerade produktiv ist und wann die vorherige abgeschaltet wird.
Wie wir Schnittstellen im Projekt festhalten
Wir schreiben je Datenfluss ein knappes Blatt nach den neun Punkten oben, lassen es von beiden Seiten bestätigen und leiten daraus die Abnahmekriterien ab — geprüft wird gegen das Quellsystem und nicht gegen die eigene Erwartung. Jede Verbindung bekommt ein Protokoll und einen wiederkehrenden Testabruf beim Anbieter, damit eine geänderte Antwortstruktur auffällt, bevor Zahlen fehlen. Welchen Umfang diese Arbeit in einem Projekt annimmt, beschreibt die Seite Integrationen.
Passende Leistungen
Verwandte Begriffe
Sagen Sie uns, was am Ende da sein soll
Sie schildern die Aufgabe, wir sagen offen, ob sie zu uns passt. Passt sie nicht, nennen wir Ihnen den Grund.